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Buck Wolters
10. März 2017
ladzinski eggeling sonnenfeld GAG Kulturkirche Ost
Eggeling, Ladzinski, Sonnenfeld
7. April 2017

Beate Rösler

Paradies im Wartestand
Bei ihrem Besuch in unserer KULTURKIRCHE OST las die Autorin Beate Rösler aus ihrem zweiten Roman “Die Töchter des Roten Flusses”: die spannende Suche einer in Deutschland aufgewachsenen Vietnamesin nach ihrer Mutter.

Es ist schon eine Weile her – bald 50 Jahre, um genau zu sein -, dass Vietnam Topthema in den Nachrichten war. Damals wie heute ging es um Flüchtlinge, die Schutz vor Krieg und Gewalt suchten. Als so genannte “Boatpeople”, die in völlig seeuntüchtigen Nussschalen den lebensgefährlichen Weg übers offene Meer wagten, kamen viele von ihnen in den 70er Jahren zu uns nach Deutschland – auch das eine Parallele zur Gegenwart.

Vom Vietnam der Gegenwart dringt nicht allzu viel zu uns. Allenfalls als exotisches Urlaubsziel ist das Land, das sich über eine Länge von mehr als 2000 Kilometern über die gesamte Ostküste der thailändischen Halbinsel zieht, noch ein Begriff. Weit im Norden, rund 450 Kilometer von der Südgrenze Chinas entfernt, liegt die 6,5-Millionen-Einwohner-Stadt Hanoi. Hier lebt seit 2014 die deutsche Autorin Beate Rösler mit Mann und Tochter. Neben der Schriftstellerei arbeitet sie als Deutschlehrerin am örtlichen Goethe-Institut. Der Kontakt mit jungen Vietnamesen hat sie zu ihrem zweiten Roman inspiriert, “Die Töchter des Roten Flusses” (erschienen 2017 im Aufbau-Verlag), den sie in der Kulturkirche Ost vorstellte.

Eine ganze andere Geschichte

In ihrem Buch erzählt Rösler die Geschichte von Tujet, Tochter eines vietnamesischen Flüchtlingspaares, aufgewachsen in Frankfurt am Main. Die Eltern hatten sich bald getrennt. Die Mutter war in die Heimat zurückgekehrt, der Vater hatte neu geheiratet, eine Deutsche. Zufällig stößt Tujet auf einen Karton mit Briefen ihrer leiblichen Mutter, die ihre Stiefmutter offensichtlich versteckt hat. Diese Briefe erzählen eine ganz andere Geschichte als die, mit der Tujet aufgewachsen ist: Demnach hatte die Mutter die Familie nicht im Stich gelassen, sondern war vorausgereist, um die gemeinsame Rückkehr vorzubereiten. Tujet macht sich auf den Weg in das für sie so fremde Land und auf die Suche nach ihrer verschollen geglaubten Mutter.

Ob die Suche erfolgreich ist, mochte Rösler naturgemäß nicht verraten. In Hanoi traf Rösler auf Menschen, die in den 70er und 80er Jahren als Gastarbeiter in der DDR lebten. “Es ist erstaunlich, wieviele Vietnamesen eine Beziehung zu Deutschland haben. Die meisten beschreiben das Leben dort als wie im Paradies.”

 
Besondere Alltagsbeobachtungen

Von paradiesischen Zuständen ist das heutige Vietnam weit entfernt. Zwar geht es vielen Menschen besser als früher, der Wirtschaftsaufschwung im Nachbarland China wirkt sich positiv aus. In Zentral- und Westvietnam aber gebe es, so Rösler, immer noch “viel Armut”. Außerdem schränke die Einheitspartei die Meinungsfreiheit ein: Manche Website sei nicht erreichbar, niemand spreche in der Öffentlichkeit laut seine Meinung aus. Es sind solche Alltagsbeobachtungen, die Röslers Roman zu etwas Besonderem machen: Die Ausschnitte, die in der Kulturkirche Ost vorlas, machten Lust auf eine spannende Reise durch eines der letzten kommunistisch regierten Länder der Gegenwart.

Übrigens: Vietnam verfügt über eine sehr eigene musikalische Tradition, in der die ostasiatische und die europäische Kultur eine einzigartige Liaison eingehen. Helmut Jäger, “Pianist in Residence” bei zahlreichen Veranstaltungen in der Kulturkirche Ost, präsentierte Stücke von Nguyễn Hữu Tuấn und Nguyễn Đình Tân.

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