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Govert van Eeden & Vincent Bosche

Der perfekte Augenblick
“Atlantique Nord”-Ausstellung in unserer KULTURKIRCHE OST: In übergroßen Fotografien gibt der Kölner Künstler Govert van Eeden einem übermenschlichen Gefühl Ausdruck: der ewigen Sehnsucht nach dem Meer.

Brötchenholen? Muss jeder mal. Doch was, wenn jeder dabei immer eine Kamera mit sich führte in der Absicht, sie zu benutzen? Was für ein umfassender Fundus an einzigartigen Augenblicken aus dem menschlichen Alltag so entstehen würde! Wobei – mit unseren Smartphones tragen die meisten stets eine Kamera bei sich. Doch den wenigsten ist das Auge gegeben für den perfekten Augenblick – und der Ehrgeiz, ihn einzufangen. “Ich bin so”, sagt hingegen Govert van Eeden, Kölner Fotograf mit holländischen Wurzeln. “Du kannst einen Moment in seiner Einzigartigkeit nicht wiederholen. Deshalb nehme ich sicherheitshalber immer eine Kamera mit. Sogar zum Brötchenholen.”

So ist auch das Großformat Korte Spaarne entstanden, das bis zum 21. Oktober 2017 in der Ausstellung “Atlantique  Nord” in der Kulturkirche Ost zu sehen ist: beim Brötchenholen.  Van Eeden hatte sich auf den Weg gemacht, war die Kanäle entlang Richtung Bäcker gelaufen, als sein Blick auf ein vom Morgennebel weich gezeichnetes Ensemble fiel. Ein Quartier aus zehn schmalen Häusern, einige mit den typischen Giebeldächern, einige ohne. Charmant einheitliche Uneinheitlichkeit, kaum verdeckt von wenigen laublosen Bäumen, einen Weg breit entfernt von der Kanalkante. Man atmet die feuchtkalte Luft beim Betrachten und spürt, wie sie langsam von unten in den Körper kriecht.

 
Wo ist der Nordatlantik?

Bevor es ungemütlich wird lieber schnell weiter zum nächsten Bild, einem Schloss mit großem Garten und einladender Auffahrt, dessen beste Tage allerdings längst Vergangenheit sind. Um dies zu begreifen, hätte es der Schwarz-Weiß-Optik gar nicht bedurft. Aber wo ist der “Atlantique Nord”, der der Ausstellung den Titel verlieh, wo also die Daseinsberechtigung für dieses Bild in dieser Schau? “Du musst dich nur umdrehen”, antwortet van Eeden in der kindlichen Logik des Kleinen Prinzen. “Da ist er.”

Wichtigstes Element – unübersehbar, weil hoch im Kreuzwinkel aufgehängt – sind die alten Fischerboote, sichtlich ausgemergelt von harten Jahren auf See, die im Museum von Camaret-sur-Mer ihr letztes Auskommen fristen. Sie liegen aufgebockt aus dem Trockenen, fürs Wasser taugen sie längst nicht mehr. Wohl aber für eindrucksvolle Riesenformate, die jedes kleine Details ausleuchten und die Motive so zu echten, Patina-getränkten Kunstwerken machen. Sehnsuchtsvoll richten sie ihre Bootspitzen gen Ozean, um vielleicht doch noch ein letztes Mal in See zu stechen.

Die Sehnsucht nach dem Meer hat van Eeden als kleiner Junge kennengelernt, als die Familie die holländische Küste verließ und nach Deutschland zog. “Ich musste erstmal begreifen, was ich nicht mehr täglich sah.” Ein Gefühl, viel zu groß für eine kleine Kinderseele. Mit seinen Großformaten, die er gemeinsam mit Vincent Bosche in mühevollem Digital-Stiching fertigt, hat van Eeden ihm ein sinnliches Denkmal gesetzt.

 

Zur Website von Foto GuPa, der Online-Präsenz von Govert van Eeden und Vincent Bosche

Ausstellung vom 29.September bis 21. Oktober 2017

 

Was gibt’s als nächstes in unserer KULTURKIRCHE OST? Schauen Sie doch mal in unseren Kalender!