AUSSTELLUNG BIS 10. OKTOBER:
Nomadengut – Die Kölner Autorin Luise Straus-Ernst

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AUSSTELLUNG BIS 10. OKTOBER:
Nomadengut – Die Kölner Autorin Luise Straus-Ernst

24. September - 10. Oktober

Kostenlos
Nomadengut Ausstellung üb Luise Straus Ernst in der Kulturkirche Ost in Köln
„Nomadengut“ – Die Kölner Autorin Luise Straus-Ernst (1893-1944) in Paris. Feuilletons und Geschichten. Mit 18 Paris-Fotos von Klaus Kammerichs.

Vernissage: 24. September um 19 Uhr mit einer Lesung von Eva Weissweiler und Sonja Kargel und Musik von Stephan Everling (Gitarre) und Stephan Langenberg (Akkordeon)

Dauer der Ausstellung: von 24. September bis zum 10. Oktober 2021. Mit Fotografien von Hannes M. Flach und Klaus Kammerichs.

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung per Email oder Anruf unter 0221-2011 373 oder 0221-2011 147

Eintritt: frei

Corona-Regeln: Bei unseren Veranstaltungen folgen wir den jeweils aktuell geltenden Covid19-Bestimmungen von Bund, Land NRW und Stadt Köln. Besucher müssen entweder geimpft, genesen oder negativ getestet sein und dies entsprechend nachweisen. In der Kirche gilt Maskenpflicht bis zur Einnahme des Sitzplatzes. Am Eingang sind zur Nachverfolgung die Kontaktdaten zu hinterlassen. 

Die Vernissage

Luise Straus-Ernst (1893-1944) schwärmte aus ihrem Pariser Exil für ihre Kölner Heimat. In dieser Lesung wollen wir die schönsten ihrer Pariser Texte vorstellen, aber auch die Briefe, die sie aus Paris nach Köln geschrieben hat, an ihr Hausmädchen Maja, an alte Schulkameradinnen und Freunde. Zwischen den Lesungen soll typisch französische Musik auf dem Akkordeon erklingen.

Umrahmt wird die Veranstaltung von einer Ausstellung des bekannten Bildhauers und Fotografen Klaus Kammerichs. Auf Recherche-Reisen mit seiner Ehefrau Eva Weissweiler, Autorin einer bekannten Biographie über Luise Straus-Ernst, hat er deren Texte genau gelesen und mit stimmungsvollen Paris-Fotos illustriert, die sich unmittelbar auf die Geschichten beziehen, auch wenn sie 80 Jahre später entstanden. Die Ähnlichkeit von Paris und Köln betonte Luise Straus-Ernst immer wieder in ihren Texten: „Glich nicht der silbrige Dunst, der fast den ganzen Tag über den Straßen in der Nähe des Flusses lag, der Atmosphäre der Vaterstadt? Und war da nicht eine Uferstraße zwischen Rathaus und Pont-Marie, die dem Holzmarkt so unerhört ähnelte?“

Die Schriftstellerin

Luise Straus-Ernst – Kölner Kunsthistorikerin, Schriftstellerin und Journalistin – ist bis heute vor allem als erste Frau des Malers Max Ernst bekannt. Im Mai 1933 ging sie ins französische Exil, weil sie als Jüdin verfolgt wurde und keine Aufträge mehr bekam, mit denen sie Jimmy, ihren zwölfjährigen Sohn, hätte ernähren können. Es sollte eigentlich nur für kurze Zeit sein, schließlich war Paris war für sie „nur ein Vorort von Köln“. Doch sie kam nie wieder zurück.

Damit gab sie außer ihrer Heimat auch einen großen Freundeskreis auf, dem viele Künstler und Intellektuelle angehörten, darunter das Maler-Ehepaar Marta Hegemann und Anton Räderscheidt, der Fotograf August Sander und der Architekt Wilhelm Riphahn. Auch die „Kölner Progressiven“ zählten dazu, eine Gruppe junger Malerinnen und Maler, die sich von Surrealismus und Expressionismus abwandten, um die Gegenwart kritisch zu dokumentieren. Sie trafen sich auf den Kölner „Lumpenbällen“ und malten Bilder, in denen Motive wie Gefängnisse, Fabriken, Kasernen und Wohnsilos dominierten: der entfremdete Mensch in einer entfremdeten Umwelt.

Seit 1926 wirkten einige dieser „Progressiven“, vor allem der Maler Heinrich Hoerle (1895-1936), an der Gestaltung verschiedener GAG-Mustersiedlungen mit, darunter „Die weiße Stadt“ und „Der Blaue Hof“ im heutigen Köln-Buchforst. Hoerle entwickelte gemeinsam mit dem Architekten, Wilhelm Riphahn, einen „Geist neuer Baukunst“, der Luise Straus-Ernst sehr faszinierte. In verschiedenen Artikeln über „Architektur im Westen“ lobte sie die frische Farbgebung, die funktionalen, familienfreundlichen Grundrisse, die vielen Grünflächen, Loggien und Balkone – die Abkehr vom Monstrum der Mietskaserne also, einer Brutstätte für Krankheiten, Sucht und soziales Elend, die besonders für Großstädte so typisch war.

Luise Straus-Ernst blieb vom Exil aus mit der Gruppe in Kontakt und war sehr betroffen über das Schicksal, das die meisten von ihnen erleiden mussten. Sie galten seit 1933 als „entartet“ und erhielten keine Aufträge mehr. Heinrich Hoerle starb 1936 krank und verarmt in seiner Wohnung auf der Galilieistraße in Buchforst. Er wurde nur 41 Jahre alt.

Auch Luise Straus-Ernst hatte in Paris oft bittere Not zu leiden. Sie schlug sich irgendwie durch, ob als Journalistin, Verkäuferin, Nachhilfelehrerin oder Sekretärin. Sie wohnte in billigen Emigrantenhotels und schrieb Feuilletons und Geschichten für Pariser Exilzeitungen, die bisher nur fragmentarisch bekannt sind: über Spaziergänge mit ihrem Briefträger, die kleinen und großen Tragödien der Exilierten, das Quartier Latin, russische Taxifahrer, Jahrmärkte, Puppenspieler und Prostituierte, Mode, Literatur, Ballett, Liebeserlebnisse und die Rue Mouffetard mit „ihrem grotesken Marktbetrieb voll Lärm, Duft und Farben“.

 

Details

Beginn:
24. September
Ende:
10. Oktober
Eintritt:
Kostenlos
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Kulturkirche Ost
Kopernikusstraße 32/34
Köln-Buchforst, NRW 51065 Deutschland